Disharmonie vor Konzertbeginn
Ein Konzertticket sei ein Luxusgut. Das sagt ausgerechnet Thomas Flückiger von "Alltickets.ch", einem Portal, über das Konzerttickets angeboten und verkauft werden. Ist es demzufolge eine Luxuserscheinung, wenn über Alltickets und andere Internet-Websites Konzerttickets zu stark überhöhten Preisen verhökert werden an all die Fans, die beim regulären Vorverkauf leer ausgehen?
Fans von ACDC, U2 oder aktuell Rammstein können quasi ein Lied davon singen. Bereits vor zwei Jahren kam es beim Vorverkauf zu ihren Schweizer Konzerten zu der befremdenden Situation: Kaum war der Vorverkauf angelaufen, brachen die offiziellen Online-Verkaufsstellen wegen Überlastung zusammen. Und auf dem Graumarkt tauchten fast gleichzeitig die ersten Angebote auf: Wer bereit war, statt 85 Franken über 200 Franken für ein Billet hinzublättern, wurde auf alltickets.ch fündig. Dasselbe Schauspiel beim eben durchgeführten Vorverkauf für das Rammstein-Konzert 2011. Mit dem kleinen Unterschied, dass die Rammstein-Billete für das Dezemberkonzert auf Alltickets inzwischen beschämende 349 Franken kosten. Für einen Stehplatz. Im selben Stil ging es bei den Vorverkäufen weiterer Stargruppen wie U2, ACDC oder Red Hot Chili Peppers zu und her.
Freilich ist ein Konzertbesuch keine Alltagshandlung. Trotzdem ist es unrecht und unfair, dass gewisse Online-Portale und deren Nutzer Mittel und Wege finden, innert kurzer Zeit an eine grosse Anzahl Tickets zu kommen und damit einen Riesengewinn absahnen. Alltickets will gar nicht wissen, woher die Tickets kommen, sagt Flückiger: Der Online-Anbieter kauft sie von Zwischenhändlern ab. Unsere diversen schriftlichen und mündlichen Nachfragen ergeben ein verworrenes Bild. Transparent ist da nichts! Ich vermute, dass ein Grossteil der Tickets gar nicht in den regulären Verkaufskanal gelangt, sondern vorher irgendwie für diesen lukrativen Zweitmarkt abgezweigt wird.
Der Bundesrat ist wohl weder U2 noch ACDC Fan oder er hat stets Freitickets zur Verfügung, dass ihn der desolate Zustand in diesem Markt nicht stört: Es gebe keine Veranlassung, gegen den Graumarkt Massnahmen zu ergreifen, antwortete er auf eine Interpellation der Nationalrätin und SKS-Stiftungsrätin Hildegard Fässler.
Für uns ist klar, wie dieser unfaire Handel weitgehend unterbunden werden könnte: Der Schalterhandel von Tickets muss vor dem Online-Verkauf gestartet, pro Käufer darf nur eine begrenzte Anzahl Tickets erworben und vorallem sollen die Tickets persönlich ausgestellt werden, wie dies auch bei grossen Sportveranstaltungen üblich ist.
Alles andere wird auch weiterhin für Misstöne sorgen. Zu Recht!
Sara Stalder
Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz
Anpassung des Textes am 19.07.11. aufgrund einer geänderten Passage im Artikel von "20 minuten online": www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/11501588
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Online Blickpunkt
Für mich sind solche machenschaften extrem Beschämend, zumal ich als Konsument mich so "mit Qualifiziertem Betrug" konfrontiert sehe, denn wenn der Billethändler mir nicht schriftlich garantieren kann, wie sich der Preis zusammen setzt, fühle ich mich Betrogen.
Selber habe ich erlebt, dass ich für ein Konzert ein Billet gekauft habe, an dessen Besuch ich verhindert war, musste ich das Billet verschenken, mir wurde Untersagt weiterzuverkaufen.